Leitgedanken

Das Lernen an unserer Schule ist darauf gerichtet, die natürliche Neugier der Kinder, ihre Begeisterungsfähigkeit, Lernmotivation, ihre Kreativität sowie ihre individuellen Fähigkeiten und Neigungen zu erhalten und zu fördern. An welcher Schule sagen so viele Kinder: „Mathe ist mein Lieblingsfach!“? Wenn sie beim Lernen selbst aktiv sind, handelnd Zusammenhänge begreifen und in ihrem eigenen Tempo voranschreiten können, dann bleibt auch die Freude am Lernen nicht aus.

Gleichzeitig sollen die SchülerInnen lernen, sich selbst und ihre Fähigkeiten in eine Gemeinschaft einzubringen und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Dies gelingt bei der Gestaltung des Schulalltags in den jahrgangsgemischten, inklusiven Stammgruppen, beim gemeinsamen Arbeiten an einem Projektthema, bei erlebnisreichen Stammgruppenfahrten oder eigenen Theateraufführungen.

Unser Freigelände als ein naturnah gestalteter Erlebnisgarten bietet den Heranwachsenden täglich eine unmittelbare Begegnung mit der Natur. Ergänzt durch regelmäßige Waldtage und ökologische Projekte sollen sie ermutigt werden, sich auch später aktiv für die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt einzusetzen.

Das Schulkonzept


Unser Schulkonzept knüpft an die Ideen und Erfahrungen verschiedener reformpädagogischer Traditionen an, die allesamt den Blick auf das einzelne Kind und seine Bedürfnisse richten. Die Jenaplan-Pädagogik nach P. Petersen mit ihrer Einheit von Arbeit, Spiel und Feier, die Werkstatt-Ideen von Célestin Freinet, die Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner mit ihrem Epochengedanken und der starken Ausprägung des musisch-handwerklichen Bereiches sowie die handlungsorientierte Pädagogik nach Maria Montessori mit ihrem Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun.“: Sie alle haben uns zu einem eigenen, inklusiven Schulkonzept inspiriert, das den Heranwachsenden ein nachhaltiges Lernen von Jahrgangsstufe 1 bis 13 nach einem durchgängigen pädagogischen Leitbild ermöglicht. Wenn alle SchülerInnen gemeinsam lernen, ist es normal, verschieden zu sein. Es gilt, entsprechende Unterrichtsformen zu entwickeln, die die Unterschiede ernst nehmen und die Gemeinsamkeiten stärken. Das ist für uns gelebte Inklusion.

Die Vorgaben der Thüringer Lehrpläne bilden die Grundlage der inhaltlichen Struktur unserer Schule, aber die Wege der Beschäftigung mit den Lerninhalten sind andere. Im Mittelpunkt steht das individuelle, eigenverantwortliche und selbsttätige Lernen jedes Kindes. Statt reiner Wissensvermittlung geht es bei uns darum, den natürlichen Wissensdrang der Schülerinnen und Schüler zu nutzen und ihnen Lern- und Problemlösungstechniken zu vermitteln, die ihnen ein effektives, lebenslanges Lernen ermöglichen. Das Denken in Zusammenhängen wird im fächerverbindenden Projektunterricht geschult, Teamarbeit statt Konkurrenzdenken gefördert. Ziel des Konzeptes ist es, dass sich die Heranwachsenden Stück für Stück zu kreativen, selbstbewussten, verantwortungsvollen, sozial und ökologisch denkenden und handelnden Persönlichkeiten entwickeln.

Lebens- und Lernraum Schule


In der Architektur unseres Schulgebäudes findet sich das pädagogische Konzept wieder. In den Jahren 2006-08 konnte das ehemalige Gebäude einer Plattenbau-Kindereinrichtung dank bereitgestellter Fördermittel von Bund und Land nach den Bedürfnissen unserer Schule komplett saniert, umgebaut und erweitert werden. Mit dem Aufbau der Schule bis zur gymnasialen Oberstufe einhergehend war ein weiterer Anbau einschließlich Mehrzweckhalle nötig, der in den Jahren 2011-13 realisiert werden konnte. Auch hier war die anteilige Landesförderung ausschlaggebend für die Finanzierung.

Ein zentraler Rundbau mit Treppenhaus und beweglichen Glasschiebewänden empfängt den Besucher. Er schafft Verbindung und strahlt Offenheit aus. Bei besonderen Anlässen entsteht hier schnell ein großer Begegnungsraum. Im Anbauteil fällt der rote Turm ins Auge, der ein weiteres Treppenhaus sowie den alle Etagen verbindenden Aufzug beherbergt. Das Gebäude ist damit behindertengerecht ausgelegt, SchülerInnen mit körperlichen Handycaps sind willkommen.

Die Stammgruppenräume sind den Bedürfnissen des individuellen Arbeitens entsprechend eingerichtet mit Nischen für Rückzug und gemeinsames Lernen in Partnerarbeit und Kleingruppen. Aber auch ein Kreis ist schnell gestellt. Mit Garderobe und Waschecke gleicht jeder Gruppenbereich einer kleinen Wohnung. Flexible Trennwände sorgen für eine vielfältige Nutzbarkeit.
In den Fach- und Werkstatträumen können die Kinder experimentieren und ihre eigenen Fähigkeiten ausprobieren. Darüber hinaus gibt es eine Bibliothek, einen Speiseraum mit Küche und einen gemütlichen Freizeitbereich. Die drei Feierräume sind der Treffpunkt für die wöchentlichen Kreise auf Stufenebene. Die neue Sport- und Mehrzweckhalle bietet viel Raum zum Bewegen und gemeinsamen Feiern im großen Maßstab.

Das Schulgelände ist ein natürlicher Lebens- und Erfahrungsraum und wurde von der Schulgemeinschaft naturnah und kreativ gestaltet. Es lässt viel Platz zum Spielen, Ausprobieren und Bewegen. Eine Vielfalt an alten und neugepflanzten Bäumen, Wasserspiele, Baumhäuser und Bauspielplätze zum Budenbauen erwecken den Eindruck eines Erlebnisgartens. Zu unserer Schule gehören auch einige Kaninchen. Sie werden von den Kindern versorgt, die dabei spielerisch lernen, Verantwortung zu übernehmen. Manchmal ist Tiger, unser Therapiehund, zu Besuch.

Struktur


Unter dem Dach der Freien Reformschule „Franz von Assisi“ lernen Schüler der Primar­stufe (Jahrgangsstufen 1-4) sowie der Sekundarstufen I und II (Jahrgangsstufen 5-13). Dafür werden jahrgangsgemischte Stamm­gruppen gebildet, in denen SchülerInnen zweier Jahrgänge mit ihren besonderen Bedürf­nissen eine Lerngemeinschaft bilden. Die Oberstufengruppen umfassen jeweils die drei Jahrgänge 11/12/13.

Jede Stammgruppe wird von einem Pädagogenteam aus Stammgruppenlehrer und Erzieher/Sozialpädagogen als festen Bezugspersonen betreut. Die in der Regel 24 SchülerInnen lernen von- und miteinander, Kinder mit Handycaps oder besonderen Bedürfnissen werden liebevoll an die Hand genommen.

Alle drei Schulteile – Grundschule, Regelschule und gymnasiale Oberstufe – sind staatlich anerkannt und verfügen damit über die Rechte zur Vergabe von Abschlüssen und Zeugnissen nach den staatlichen Vorgaben. Die Zulassung zur dreijährigen gymnasialen Oberstufe erfolgt über den erfolgreichen Abschluss der Jahrgangsstufe 10 mit dem Realschulabschluss gemäß den Vorgaben der Thüringer Schulordnung.

Tages- und Wochenstruktur


In unserer Schule ticken die Uhren etwas anders. Statt Schulstunden à 45 Minuten und kurzen Pausen gibt es bei uns länger zusammenhängende Arbeitsphasen, ausgedehnte Erholungszeiten und kreative Angebote am Nachmittag. Kein Klingeln zerstört die entspannte Atmosphäre.

Der einzelne Schultag und die Arbeitswoche der Kinder sind klar strukturiert: Unterrichtet wird in drei Zeitphasen von 8 bis 10 Uhr, 11 bis 13 Uhr sowie 14 (bzw. 13:30 Uhr) bis 15 Uhr. Die Zeit dazwischen dient dem gemeinsamen Frühstück und Mittagessen, dem Spiel, der Erholung, sportlichen und kreativen Betätigungen sowie der Kommunikation. Im Rahmen der Ganztagsbetreuung können die Kinder täglich von 7 bis 17 Uhr betreut werden.

Die erste Arbeitsphase dient vorwiegend der Stillen Freiarbeit (SFA). Die Schüler erar­beiten sich weitestgehend selbstständig die Inhalte der Kernfächer Mathematik, Deutsch und anteilig Englisch entsprechend ihres Leistungsstandes. Die Pädagogen begleiten das individuelle Voranschreiten der Schüler. Ein Teil der Sprachunterrichtszeit wird im jahrgangshomogenen Kurs unterrichtet.

Die zweite Arbeitsphase umfasst in der Regel den fächerübergreifenden Projekt- und Epochenunterricht (PEU). Die Inhalte des Lehrplanes werden durch die Pädagogen so aufbereitet, dass die Schüler über mehrere Wochen intensiv an einem Thema arbeiten und sich die Themenschwerpunkte selbst­ständig erschließen können. Die zusammenhängende Zeit von 2 Stunden ermöglicht das Durchführen von Projekten und Gruppenarbeiten. Auf diese Weise kann das entdeckende, verständnisintensive Lernen gefördert werden.

Im Nachmittagsbereich stehen Wahlkursangebote, Arbeitsgemeinschaften und Wahlsport­angebote zur individuellen Profilierung der SchülerInnen zur Verfügung. In sogenannten Lernwerkstätten kann im pädagogisch betreuten Rahmen weitergearbeitet werden oder eine besondere Förderung stattfinden.

Die Schulwoche beginnt in der jeweiligen Stufe mit dem Montagskreis als Auftakt für die Arbeit am Epochenthema. Jedes Kind verfolgt über die Woche einen eigenen Plan und nutzt die vielfältigen Angebote. Was es am jeweiligen Tag gearbeitet hat, trägt es bis zur Jahrgangsstufe 5/6 in sein Lerntagebuch ein. So haben das Kind selbst, seine Eltern und die Pädagogen einen guten Einblick in die Lernfortschritte. Die Hefte bleiben unter der Woche in der Schule. Klassische „Hausaufgaben“ gibt es nicht. Sie werden durch integrierte Übungsphasen in der Schule ersetzt. Mit zunehmendem Alter steigt die erwartete Eigenverantwortlichkeit der SchülerInnen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Am Freitag beenden alle Kinder die Schulwoche mit dem Freitagskreis, in dem sie stolz besondere Arbeitsergebnisse präsentieren.

Lernformen


Die folgenden Absätze geben schlagwortartig einen Überblick über die wichtigsten Besonderheiten des Lernens an unserer Schule in allen Jahrgangsstufen auf der Basis unserer pädagogischen Grundsätze.

Kreise

Das Zusammenfinden im Kreis ist die zentrale Form des gemeinschaftlichen Unterrichtes und Ausdruck eines demokratischen Miteinanders auf Augenhöhe. Es zieht sich durch alle Jahrgangsstufen und wird den Kindern zu einer liebgewonnenen Selbstverständlichkeit. Alle können sich gegenseitig sehen und sind gleich weit voneinander entfernt, keiner hat eine exponierte Rolle. Viele Rituale haben im Kreis ihren Platz und werden durch eine besondere Gestaltung der für alle gleichermaßen sichtbaren Mitte verankert. Alle wichtigen Gruppenthemen werden im Kreis besprochen.
Bei den Älteren bieten die Kreise ein regelmäßiges Podium für Gespräch, Diskussion, Vortrag und Präsentation in der Stammgruppengemeinschaft und auf Stufenebene – sowohl in Verantwortung der Pädagogen als auch in zunehmendem Maße in Eigenverantwortung der SchülerInnen.

Stille Freiarbeit

Der Unterricht in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sowie anteilig Englisch findet im Rahmen der Stillen Freiarbeit (SFA) in den Stammgruppen statt. Jedes Kind erarbeitet sich die Inhalte selbstständig und im eigenen Lerntempo mit Hilfe von bereitgestellten Lernmaterialien, die fortschreitend aufeinander aufbauen. Die Pädagogen unterstützen und begleiten diese individuelle Arbeit. So wird niemand aufgrund seiner Fähigkeiten ausgebremst oder überfordert. Besonders im mathematischen Bereich sind die anschaulichen und anregenden Materialien von Maria Montessori die Basis der Lernangebote und schulen die Vorstellungskraft der Kinder.

Kursunterricht Sprachen

Ein Teil des Sprachenunterrichtes in der ersten Fremdsprache Englisch sowie der Unterricht in den weiteren Fremdsprachen finden in der Jahrgangsgruppe statt. Hier lernen die Kinder eines Jahrgangs aus einer Stammgruppe gemeinsam fortschreitend. Die kleinen Gruppen bieten beste Voraussetzungen für ein intensives Sprechen und spielerische Arbeitsformen. Als zweite Fremdsprache wird Spanisch ab Jahrgangsstufe 6 angeboten. In der gymnasialen Oberstufe kann dies fortgesetzt oder eine dritte Fremdsprache (Französisch, Russisch, Latein) neu begonnen werden.

Projekt- und Epochenunterricht

Der Projekt- und Epochenunterricht (PEU) ist das Herzstück des vernetzten Lernens in den Stammgruppen. Alle gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen, religiösen und musisch-künstlerischen Fächer verbinden sich zu übergreifenden Epochenthemen, die jeweils über mehrere Wochen zum Lerngegenstand werden. Die Themen sind für jede Stufe in unserem schuleigenen Curriculum erfasst und wurden auf der Basis der Lehrpläne erstellt. Das Lernen erfolgt handlungs- und erlebnisorientiert und trägt Projektcharakter. Die individuell verschiedenen Fähigkeiten und Interessen der SchülerInnen werden durch vielfältige Angebote mit unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigt, so dass ein erfolgreiches Lernen für alle möglich ist. Diese Angebote werden in Form von Wochenplänen oder sogenannten Differenzierungsmatrizen strukturiert.

Musisch-künstlerische Ausbildung

Als Teil des Projekt- und Epochenunterrichtes dienen die Fächer Musik und Kunst der ganzheitlichen Beschäftigung mit den Themen. Auch hier steht das eigene Tun, die eigene Ausdrucksfähigkeit im Mittelpunkt. Aber auch der gemeinschaftliche Aspekt ist uns wichtig. Das Erleben des gemeinsamen Musizierens, in das jeder seine Stimme oder seinen Ton einbringt, gemeinsame Rhythmus- und Bewegungsformen oder das Vollbringen künstlerischer Gemeinschaftsarbeiten schaffen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit trotz Verschiedenheit.

Ein Highlight der Schule ist das Projektorchester, das einmal pro Jahr anlässlich der Adventsfeier in der Jakobuskirche zusammenkommt. Hier findet jedes musikalisch interessierte Kind seinen Platz. Ein Projektchor bündelt die sängerischen Fähigkeiten der Großen. Darüber hinaus gibt es ab der Jahrgangsstufe 5 Schülerbands, die bei Schulfesten oder dem Tag der offenen Tür auftreten.

Die künstlerischen Fähigkeiten der Kinder fließen oft in gestalterische Projekte ein, die das Schulgebäude und -gelände weiter verschönern.

Werkstätten

Ein reiches Angebot an Werkstätten ermöglicht den Kindern die Entfaltung ihrer handwerklichen Fähigkeiten. So stehen eine Holz- und Gipswerkstatt, eine Metallwerkstatt mit Außenschmiede, eine Keramik- und eine Textilwerkstatt, eine Druckerei und eine Naturwerkstatt für die vielfältigsten Projekte zur Verfügung. Bis zur Jahrgangsstufe 6 findet in den regelmäßigen Werkstattzeiten eine kontinuierliche Ausbildung der Fähigkeiten und Fertigkeiten statt. Bereits die Jüngsten lernen mit Hammer und Säge umzugehen und sind stolz auf ihre ersten fertigen Produkte. Später ist die Nutzung der Werkstätten an die Projektthemen und Wahlkurse gebunden. An mehreren Tagen gibt es offene Werkstätten in der Pausenzeit für individuelle Vorhaben.

Theaterprojekte

Die Bühne als Ort des Lernens ist in unserer Schule ständig verfügbar und hat auf alle Altersstufen eine magische Anziehungskraft. Kleine und große Theaterprojekte haben ihren festen Platz im Schuljahresablauf und sind willkommene Höhepunkte der Schulgemeinschaft. Gegenseitiges Staunen über besondere Einzelleistungen, das verantwortliche Mitwirken im großen Zusammenhang, das Mitfiebern und Überwinden der eigenen Aufregung – all das sind Momente, die die Zusammengehörigkeit untereinander und das Selbstbewusstsein jedes einzelnen stärken. Jeder kann dabei sein und sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Die Drehbücher entstehen mit zunehmendem Alter aus der Gruppe heraus und stellen bereits einen intensiven gemeinsamen und kreativen Prozess der inhaltlichen und sozialen Auseinandersetzung dar. Multimediale Möglichkeiten werden gern einbezogen.

Sport, Spiel und Bewegung

Lernen braucht Spiel und Bewegung – Bewegung und Spiel sind Urformen des Lernens. Nach diesem Motto verstehen wir uns als bewegte Schule. Spiel und Bewegung sind gesund, machen Spaß und sollen so oft wie möglich stattfinden – nicht nur in den Sportzeiten. Die langen Pausen bieten für Kleine wie Große Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten im großzügig gestalteten Freigelände und in der Mehrzweckhalle (Fußball, Volleyball, Basketball, Tischtennis, Klettern, Schaukeln usw.). Baumhäuser, eine große Ritterburg und Nischen zum Budenbauen lassen viel Raum für Spiel und Phantasie.

Der Sportunterricht findet in der Stammgruppe statt. Einen Teil davon bildet der wöchentliche Schwimmunterricht, der durchgehend von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe durchgeführt wird. Ab Jahrgang 5 geht dieser in verschiedene Wahlsportangebote über, die von Tanz und Yoga über Kraftsport und Orientierungslauf bis hin zu den klassischen Ballsportarten eine große Vielfalt bereithalten.

Aber auch in den Zeiten des selbstständigen Lernens finden Spiel und Bewegung statt. Die SchülerInnen holen sich ihre Aufgaben, nutzen Materialien, arbeiten auf dem Fußboden oder entspannen sich mit einem Buch in der Leseecke, sie besprechen sich mit anderen, fragen einen Pädagogen und sind so immer in Bewegung. Viele Aufgabenangebote tragen spielerischen Charakter.

Waldtage und Waldwochen

Elementare Naturerfahrungen spielen eine große Rolle an unserer Schule. Auf verschiedenen Wegen sind wir unterwegs, um Natur und Schule so stark wie möglich miteinander zu verbinden, weil wir um die heilsame Wirkung der Natur auf uns Menschen wissen.

Alle sechs Wochen verbringen die Kinder der Jahrgangsstufen 1-6 mit einer Natur- und Erlebnispädagogin einen ganzen Tag im Wald und entdecken und erforschen dabei spielerisch die Natur je nach Jahreszeit. Pflanzen und Bäume werden bestimmt, Spuren gelesen, Tiere beobachtet, aber auch Zeit für das freie Spiel gelassen. Im Winter ist das Feuer machen zu einem festen Bestandteil geworden. Wenn möglich, werden die Schwerpunkte des Tages mit dem derzeitigen Epochenthema verbunden (z.B. Steinzeit, Säugetiere, Ökosystem Wald). Die Erfahrungen im Wald können später gut im Unterricht vertieft und erweitert werden.

Für die Stammgruppen 7/8 gibt es Waldtage, die stark an die naturwissenschaftlichen Epochen angebunden sind und z. B. elementare physikalische Gesetzmäßigkeiten beim Baumrücken und Baumrollen erfahrbar machen oder das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge stärken. Wichtig ist das Bewältigen echter Herausforderungen und nachhaltiger Tätigkeiten. Auch in der Gruppendynamik und der Stärkung der Selbstwahrnehmung wirken diese Tage Wunder.

Die Waldwoche in den Sommerferien ist ein Angebot für die Stufen 3/4 und 5/6. Die Kinder sind eingeladen, eine Woche im Wald zu verbringen, dort in Zelten oder unter freiem Himmel zu übernachten und das gemeinsame Leben selbst zu organisieren. Dies ermöglicht noch einmal ganz besonders intensive Erfahrungen mit und in der Natur.

Wahlkurse

In allen Jahrgangsstufen gibt es Angebote, die je nach Neigungen und Fähigkeiten gewählt werden und so der Ausbildung eines individuellen Profils dienen. Sie heißen „Kreativnachmittag“ in der Primarstufe, „Wahlangebot“ in der Stufe 5/6 und „Wahlkurs“ ab der Stufe 7/8. Innerhalb einer Stufe finden sich kleinere Schülergruppen interessenbezogen zusammen, können sich einem Gegenstand intensiver widmen und dabei eigene Ideen umsetzen. Die Bandbreite ist groß. In der Regel können die Kurse halbjährlich gewechselt werden. Auch die Pädagogen können in die Wahlkursangebote ihre eigenen Vorlieben und besonderen Fähigkeiten einbringen.

Lernen am selbstgewählten Gegenstand

Ganz persönliche Interessen und Ideen können die Heranwachsenden im Rahmen von Jahres- und Projektarbeiten in der Sekundarstufe I sowie den Seminarfacharbeiten in der gymnasialen Oberstufe über einen längeren Zeitraum hinweg verwirklichen. Selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten, ein gutes Zeitmanagement, die schlüssige schriftliche Darlegung des Arbeitsprozesses sowie die Fähigkeit der Zusammenarbeit in einem Team bilden die Grundlage des Erfolgs. Geübt wird dies bereits in der Primarstufe während der freien Themenwochen. Unter dem Titel „Mein Projekt“ werden selbstgewählte Ziele verfolgt und in der Stammgruppe präsentiert.

Projektwochen und Schulfeste

Das Leben und Lernen in der Gemeinschaft hat an unserer Schule einen hohen Stellenwert. Bei regelmäßigen Theaterprojekten, gemeinsam gestalteten Projektwochen, Exkursionen und Schulfesten lernen sich die SchülerInnen in unterschiedlichen Konstellationen kennen. Die große Schulprojektwoche vor den Herbstferien mit anschließendem Herbstfest ist inzwischen zur festen Tradition geworden. In gemischten Gruppen aller 13 Jahrgänge, die sich interessenbezogen zusammenfinden, wird eine Woche lang zu einem übergeordneten Motto geforscht, gespielt, getanzt, musiziert, gewerkelt, gekocht, gemalt, gewandert u.v.m. Die Älteren übernehmen Verantwortung für die Jüngeren und stehen den Pädagogen zur Seite. Am Ende staunen alle über die Ergebnisse, die der Schulgemeinschaft präsentiert werden. Vor den Sommerferien ist das Sommerfest mit vielen bunten Angeboten, sportlichen Aktivitäten und einem Theaterstück der Stufe 3/4 der Höhepunkt der Schulgemeinschaft.

Stammgruppenfahrten und Lesenacht

Ereignisse, auf die sich die SchülerInnen aller Jahrgänge besonders freuen, sind die Stammgruppen­fahrten. Bereits ab der ersten Jahrgangsstufe geht es für ein paar Tage gemeinsam auf die Reise, zunächst in der Region, später ans Meer, in die Alpen und in der Oberstufe gar nach Assisi. Thematisch sind die Fahrten an das jeweilige Epochenthema angebunden und dienen der Vertiefung durch das Kennenlernen besonderer Lebensräume, geschichtsträchtiger Orte und Museen. Am liebsten nutzen wir Selbstversorgerhäuser, um das Gruppenleben völlig selbstverantwortlich und kostengünstig gestalten zu können.

In der Lesenacht verbringen die Kinder eine Nacht in der Schule: Taschenlampen-Lesestunden und Abenteuer bei der Pirsch durch das Schulhaus sind garantiert.

Praktika

Damit sich die Heranwachsenden schon früh beruflich orientieren und weitere praxisbezogene Fähigkeiten erwerben können, gibt es ab der 7. Jahrgangsstufe zweiwöchige Praktikumszeiten, die in die Epochen zu wirtschaftlichen Themen eingebunden sind. Dabei haben die SchülerInnen die Möglichkeit, Einblicke in den Arbeitsalltag von Firmen und Einrichtungen zu bekommen.

Das erste Praktikum findet im sozialen Bereich statt, bevorzugt im Kindergarten. Es folgen Praktikumseinsätze im handwerklichen bzw. produzierenden Bereich und schließlich im Dienstleistungs­sektor. Der Praktikumsschwerpunkt der 10er ergibt sich aus dem eigenen Berufswunsch. So mancher Ausbildungsplatz wurde hier bereits gegenseitig vereinbart. In der 11. und 12. Jahrgangsstufe werden die Praktikumszeiten mit ersten Forschungsarbeiten verknüpft. Die Technische Universität Ilmenau bietet hierbei u.a. ein reichhaltiges Erprobungsfeld.

Wettbewerbe

Regelmäßig nehmen unsere Schülerinnen und Schüler auch erfolgreich an verschiedensten schulübergreifenden Wettbewerben statt, sowohl in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern als auch im Sport. Dazu gehören zum Beispiel der mathematische Känguru-Wettbewerb, Mathematik-Olympiaden, Vorlesewettbewerbe, Fußballcups, Basketball- und Tischtennisturniere, Schwimmwettkämpfe oder Schachmeisterschaften. Auch dies ist für uns ein Zeichen des individuellen Lernens, in dem jeder seine Stärken zeigen kann.

Bewertung und Abschlüsse


Individuelles Lernen erfordert eine individuelle Bewertung. Die SchülerInnen erhalten an unserer Schule ausführliche Lernentwicklungsberichte, die ihre individuellen Lern­fortschritte rückwirkend über jeweils ein halbes Jahr zum Inhalt haben. Gemessen wird jedes Kind an seinem eigenen Leistungsvermögen. Das Erreichte wird gewürdigt und in ermutigender Weise auf die nächsten Entwicklungsschwerpunkte hingewiesen.

Am Ende jeder Woche bzw. Epoche erhalten die Kinder regelmäßig einen kurzen schriftlichen Bericht im Lerntagebuch und werden von klein auf ermutigt, ihren Wochenfortschritt selbst einzuschätzen. Am Ende jedes Schulhalbjahres findet ein ausführliches Lernentwicklungsgespräch mit dem Kind und seinen Eltern statt.

Ab der Jahrgangsstufe 9 werden zusätzlich Noten vergeben, um am Ende der Stufe 9/10 und der Jahrgangsstufe 13 die Erlangung des jeweiligen Schulabschlusses zu ermöglichen. Damit setzt ein unvermeidlicher Vergleich mit den Anforderungen bestimmter Bildungsgänge ein. Jedoch gelten auch hier weiterhin die Grundsätze unseres Konzeptes: das individuelle Prinzip und der fächerübergreifende, ganzheitliche Ansatz setzen eigene Maßstäbe für die Vielfalt des Notenerwerbs. Lernen soll für alle erfolgreich möglich sein. Für jeden wird der höchstmögliche Schulabschluss angestrebt und die Entscheidung darüber so lange wie möglich offen gehalten.

Unsere Schule vergibt als staatlich anerkannte Regelschule und staatlich anerkannte gymnasiale Oberstufe den einfachen und den qualifizierenden Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss sowie das Abitur gemäß den staatlichen Vorgaben und Anforderungen in Thüringen. Die Ergebnisse der zentralen schriftlichen Prüfungen zeigen, dass unsere SchülerInnen diese Anforderungen erfolgreich bis überdurchschnittlich bewältigen können. Ein großer Anteil der Schüler mit Realschulabschluss erreicht die Zulassung zur dreijährigen gymnasialen Oberstufe.

Zeichnet sich ab, dass aufgrund von Lernschwierigkeiten und Handicaps kein Schulabschluss möglich sein wird, beginnt eine gezielte individuelle Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. Verschiedene innerschulische und externe Unterstützungssysteme bereiten die SchülerInnen auf mögliche Berufsfelder vor und entwickeln gezielt ihre lebenspraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Regelmäßige Praktikumstage in der Stufe 9/10 geben ihnen Sicherheit und stärken die Eigenständigkeit. Schüler ohne Abschluss erhalten am Ende der Schulzeit ein individuelles Abgangszeugnis, das ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bescheinigt.

Impressionen

Kreativ, eigenständig, individuell und mit ganz viel Spaß lernen unsere Kinder